Archive for the ‘Kleinbasel’ Category

Wie mir die auf den Sack gehen!

7. August 2007

A propos Basel:

Es gibt in Basel eine Gasse am Rhein, von der jeder Basler und ganz sicher mindestens jede zweite Baslerin spätestens ab dem 16. Lebensjahr weiss, dass dort lecker Bier getrunken werden kann.

Es gibt dort Bars und Beizen, einen Stripschuppen und im Restaurant Sonne tritt sogar immer wieder diese Sorte von Alleinunterhaltern auf, die wohl nur noch auf dem Land und im Kleinbasel überleben können.

Ja, und dann gibt es dort noch die sogenannten „Anwohner“. Ich kenne übrigens einige von ihnen. Und diese möchte ich hier explizit von meinen nun folgenden Ausführungen ausnehmen. Denn soweit ich weiss, leben sie gerne, wo sie leben. Sie geniessen die Nähe zum Rhein und die zentrale Lage. Und irgendwie wussten sie bereits zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihre Wohnungen bezogen haben, dass die Rheingasse nicht der Waldrand von Lützelflüh ist.

Es gibt aber auch die andere Sorte von „Anwohnern“. UND DIE GEHEN MIR GANZ GRAUSAM AUF DEN SACK!!! Entschuldigung, dass ich hier mal laut schreien musste. Aber glauben die eigentlich, sie seien die einzigen Bewohner dieser Stadt?!? Ständig rennen sie zu den Medien, heulen rum: Hier ist die Musik zu laut und da fährt ein Auto rum, dass hier nicht fahren dürfte… Da muss jetzt aber sofort die Polizei einschreiten – und dort auch. Am besten sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Und die Polizei springt dann auch noch prompt und tut wie geheissen.

HALLO??? Ich wohne in einer sogenannten „Begegnungszone„. In der dürfte eigentlich nur mit 20 km/h gefahren werden. Hält sich irgendwer daran? Nein. Hat die Polizei jemals Geschwindigkeits-Kontrollen durchgeführt? Nein. RENNE ICH JETZT HEULEND RUM? Nein. Meine Güte, entweder wohnt man in einer Stadt, oder man lässt es bleiben.

Nein, ich bin nicht dafür, dass man mit dem Auto überall durchfahren darf, wo es verboten ist. Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde. Aber wie es eine kleine poplige Minderheit immer wieder schafft, dass ihre Probleme zum Problem der gesamten Stadt „hochsterilisiert“ (Bruno Labbadia) wird, das ärgert mich gewaltig.

Basel spricht (IV)

25. Juli 2007

A propos Basel:

Ortstermin: 47°34′03″ Nord, 7°35′32″ Ost (Spielplatz Matthäuskirche, Kleinbasel):

„Dr Undertaker und dr ander chönne gar nid brüeder si. Dr Undertaker kunnt uss USA und dr ander uss Texas!“

Damit steht es nach dieser Fachsimpelei über Wrestling 1:1 zwischen Europa und den USA bei meinen Lieblings-Geographie-Erkenntnissen. Denn wie wurde ein Freund in den Staaten einmal so schön gefragt: „Europe, is that close to Spain?“

Basel schreibt (IV)

13. Juni 2007

A propos Basel:

Gesichtet vor dem Migros Claramarkt in Basel:

Rücksack

Und nein, ich verdächtige niemanden aus dem östlichen Anatolien. Ich denke, der Urheber dieses sprachlichen Juwels stammt aus der direkten Nachbarschaft Basels – aus dem Westen: „No ’ne Rücksack, zum d’Cümülus-Kart‘ inne z’steckä?“

Juhu, wir werten auf!

8. Juni 2007

A propos Basel:

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Basel feiert seine Nordtangente, ein hübsches 3,2 Kilometer langes Strässchen, das pro Zentimeter die Kleinigkeit von 4843.75 Franken gekostet hat. Wem das ein wenig teuer erscheint, der bedenke, dass darin auch noch ein schöner Lüftungskamin inbegriffen ist, der sich leider nach Erstellung als völlig überflüssig erwiesen hat und nun als touristischer Anziehungspunkt das Horburgquartier aufwertet.

Und da sind wir auch schon beim Stichwort: Aufwerten! Was diese Nordtangente alles an Aufwertungen ermöglicht, ist kaum zu beschreiben. Das St. Johann wird neu zum absoluten Trendquartier, wenn auch Leute den Weg über den Voltaplatz finden, die im Spurenlesen nur durchschnittlich talentiert sind.

Denn längst hat das Baudepartement die schönsten Pläne für die Region um den Voltaplatz geschmiedet. Aufwerten, aufwerten, aufwerten, heisst die Devise. Regierunsräting Barbara Schneider verspricht das Blaue vom Himmel – und ihr gnadenloser Kantonsbaumeister Fritz Schumacher (Stichwort: Flaniermeile Clarastrasse, Klybeck-Boulevard, Güterstrasse-Boulevard) hat ganz sicher schon tolle Ideen.

Aber wie könnte der neue, trendige städtische Wohn- und Lebenstraum denn so aussehen? Blicken wir doch einfach über die Dreirosenbrücke, wo die Aufwertung nach dem Bau der Nordtangente bereits seit Jahren Tatsache ist. Schauen wir uns die super, duper aufgewertete Horburgstrasse mal genauer an:

Horburg

Na, da bekommt der Stadtplaner aber ganz feuchte Äuglein vor Freude. So schön kann eine vom Autoverkehr befreite Strasse sein. Wir sehen (von links nach rechts): Ein Trottoir (Beton), eine Reihe Parkplätze (Beton/mit Rabatten), eine Fahrspur für den Individualverkehr (Beton), eine Fahrspur für den öffentlichen Verkehr (Beton/Stahl), eine Fahrspur für den öffentlichen Verkehr (Beton/Stahl), eine Reihe Parkplätze (Beton), eine Fahrspur für den Individualverkehr (Beton), eine Reihe Parkplätze (Beton/mit Rabatten), ein Trottoir (Beton).

Das Wunderbarste aber ist: Nicht nur der Schwerverkehr scheint verschwunden, das Leben an und für sich findet nicht mehr in dieser Strasse statt.

Das ist aber noch nicht alles, womit die Horburgstrasse verschönert wurde, nein noch lange nicht. Es gibt da auch noch ein absolutes Highlight, ein Bijou, mein Lieblingsplatz in der Stadt. Womit könnte man der Bevölkerung im am dichtesten besiedelten Quartier Europas eine Freude machen? So lautete die Fragestellung. Und die Planer fanden die Lösung. Sie lautet: mit einem Kiesplatz!!!

Kiesplatz

Ja, da springt das Herz des Anwohners vor Freude. So viel südliches Flair hätte man Basel gar nicht zugetraut.

Da bleibt nur die Hoffnung, dass auf der anderen Seite des Rheins mit mindestens ebensoviel Liebe zum Detail ein neues Quartier gebaut wird, das wohlhabende Steuerzahler in Scharen anzieht.

Der Anfang ist längst gemacht…

Basel spricht (III)

12. Mai 2007

A propos Basel:

Heute in der Migros eine Verkäuferin zur anderen:

„Aide doschtomi Körbli!“ (Abbildung der ersten beiden Worte ähnlich.)

Gestern im Tram hinter mir eine jüngere Frau ebenfalls in einem Idiom aus einem ehemals zu Jugoslawien gehörenden Staates ins Mobiltelefon:
„alsdfjh asdföklja asdnvcnmxcn asdjklhasdfjlhk DUMMI FOTZE asdjkfldfasjkdjklash, asdfkasd!!! asdfklöasdfklj FOTZE, asdfljhashjld asdljkhdajk SCHEISSEGAL!! asdflhjkasdhjkl DUMMI SAU!!!“

Was lernen wir daraus? Secondas und Secondos wird zuhause leider nicht mehr der gesamte Grundwortschatz der Sprache ihrer Eltern vermittelt. So müssen sie immer wieder für gewisse termini technici ins Schweizerdeutsche wechseln.

Das kann aber auch eine Chance für die Integration sein…

Werde ich pessimistisch?

2. Mai 2007

A propos Basel:

Ich weiss nicht, ob es Ihnen auch so ging, aber mein Vater war eher immer so etwas skeptisch, was die ‚Jungen‘ anging, also uns nachfolgende Generation. Er zweifelte irgendwie an den Werten von uns ‚Jungen‘, an unsrer Bekleidung und ganz besonders an unsrer Musik. Vor allem wenn wir uns dieses Bumm-Bumm-Zeugs quasi intravenös in die Ohren oder aber über überdimensionierte Subwoofer im Auto verabreichten. Da konnte er nicht mehr so mit.

Gestern war ja 1. Mai. Alle Welt hat dann frei und das ist gut so. Die Frage, ob ich jetzt langsam definitiv alt, pessimistisch, intolerant und konservativ werde, stellte sich, als ich mit meiner Holden das Rheinbord hinaufspaziere. Ohne jeden Stress, ohne jedes schlechte Gefühl erfreute ich mich der nämlichen und des schönen Tags. Und sehe am Rhein ein Bild der Verheerung. Abartig. Dort, wo die Stadt rechts der Wettsteinbrücke mit einigem Aufwand einen Strand aufgeschüttet hat, türmten sich die Flaschenberge. Scherben und Müll überall. Und da muss ich jetzt sagen: Da kann ich nicht mehr so mit.

Angesichts der Tatsache, dass es durchaus die gleichen Leute sind, die am 1. Abend das Rheinbord mit Scherben etc. verlittern, um dann am nächsten Abend wieder dort zu feiern, muss ich die Frage, ob ich pessimistisch werde, ganz eindeutig mit ‚ja‘ beantworten. Was will man angesichts solcher eindeutig zu Tage tretender Defizite sonst sagen? Mich würde auch interessieren, was kann man da machen? Denn das „Denen müsste man links und rechts…“ meines Vaters kann es ja irgendwie auch nicht sein…