Ein Versprechen einlösen

by

A propos Basel:

Es ist für mich höchste Zeit ein Versprechen einzulösen. Es war am 15. oder 16. Dezember 2006 in einem Café in Pyin U Lwin. Pyin U Lwin liegt in Burma/Birma/Myanmar. In diesem Café setzte sich ein junger Mann an unseren Tisch. Sein Englisch war… – naja, wie soll man sagen: schwer verständlich halt. Aber wie das so ist: Die Message kam trotzdem einwandfrei rüber. Er sagte sinngemäss, ‚wenn ihr wieder in Europa seid, dann erzählt den Menschen dort, wie es uns hier in Burma so geht.‘ Wir antworteten ihm, dass wir das sicher tun würden.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat die Militärregierung in Birma wegen Menschenrechtsvergehen kritisiert. Tausende von Gefangenen würden gezwungen, für die Streitkräfte zu arbeiten und würden dabei auch in Kämpfe verwickelt, erklärte die Hilfsorganisation in Genf. Zudem verbiete das Militär der Bevölkerung an der Grenze zu Thailand die Feldarbeit. Schließlich werde das Rote Kreuz bei seiner Arbeit in dem südostasiatischen Land behindert.

Dieses Zitat aus den 6-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks letzte Woche hat mich wieder an mein Versprechen erinnert. Deshalb will ich meinen ganz persönlichen Eindruck von der Situation in Burma für die Menschen wiedergeben, ohne irgendwelche Ansprüche, den wirklichen Lebensumständen wirklich gerecht zu werden, ist ja klar:

1. Den Menschen in Burma geht es nach meiner Optik ’nicht schlecht‘. Ich höre schon einen Aufschrei unter den Leserinnen und Lesern. Das ‚Nicht-schlecht‘ ist natürlich nicht auf die Lebensumstände der Bevölkerung gemünzt, sondern eher auf das Lebensgefühl, das sie vermitteln. Natürlich sind sie aus unserer Sicht mausarm, in vielfacher Hinsicht unterversorgt und der Menschenrechte beraubt. Was sie aber dieses gar nicht verbitterte Lebensgefühl vermitteln lässt, ist, dass sie hart im Nehmen sind, sie sich auf ihre Familie verlassen können und nicht zuletzt, dass ihnen ihr Glaube eine grosse Kraft und Gelassenheit gibt.

2. Die Regierung von Burma hat sicherlich den kleinsten Anteil daran, dass es den Burmesen ’nicht schlecht‘ geht. Im Gegenteil, die Generäle und ihre Familien haben grossen Anteil daran, dass es dem burmesischen Volk nicht ‚gut‘ geht. Die Militärregierung futiert sich um das Volk. Schulen, Strassen, Kommunikationsmittel, Krankenhäuser – alles wofür ein Start in der Regel sorgen sollte, wird auf’s krasseste vernachlässigt. Das ist, wie auch die ins Auge stechende Korruption, sogar für den gemeinen Touristen sofort erkennbar.

3. Dazu kommt, dass die Sicherheit der Menschen nur bei absoluter Linientreue und Kritiklosigkeit gegenüber dem Regime gewährleistet ist. Wie uns mehrfach in Gesprächen berichtet wurde, verschwinden Regimekritiker aber beim leisesten Widerspruch gegen die regierende Militär-Junta oder ihre Aktionen für einige Jahre in ‚Gefängnissen‘. Von einer politischen Meinungsfreiheit kann auch nur ansatzweise nicht die Rede sein. Und das ist bedrückend spürbar.

4. Trotz einiger Reiseerfahrung auch in Ländern, die von der Menschenrechtssituation her nicht zu den besten gehören (Kambodscha, Cuba, USA) hab ich doch noch nie ein Land gesehen, in dem die Regierung so eindeutig und so schamlos an den Interessen des Volkes vorbei in die eigene Tasche regiert.

Junger Mann aus Pyin U Lwin, hiermit habe ich versucht mein Versprechen einzulösen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: