Hurra, wir sind Provinz!

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A propos Basel:

Da fällt den Bewohnern des stetig schrumpfenden Städtchens am Rheinknie aber ein schwerer Brocken vom Herzen. Oder sollen wir schreiben: ein Koloss. Nichts wird es mit dem neuen Stadtcasino der sowieso viel zu exaltierten Zaha Hadid.

„Der Barfi verliert damit seine bisherige Gestalt nicht“, jubelte Rolf Häring, der übrigens früher ein ziemlich erfolgreicher Charmeur gewesen sein soll, ehe er irgendwie ins Lager der professionellen Nein-Sager abgerutscht ist. Und da möchte ich doch sagen: Zum Glück geht die heutige Form des Barfüsserplatzes nicht verloren! Denn kann sich irgendwer einen schöneren Platz vorstellen als den jetzigen Barfi? Nein, ganz sicher nicht. Da können Barcelona oder Siena natürlich einpacken.

Also bleibt Basel, was es eben ist: Provinz, zweimal im Jahr durch grosse internationale Messen durchbrochen.

Und wenn man die letzten Abstimmungen zu gewagten, spektakulären, nicht dem Alltäglichen ensprechenden Bauvorhaben betrachtet, muss man zu folgendem Schluss kommen: Grosse Würfe können nur gelingen, wenn das Stimmvolk nichts dazu zu sagen hat (ausser es handelt sich um ein Fussballstadion). Denn das Aussergewöhnliche sprengt eben meist das Vorstellungsvermögen der Mehrheit – zumindest so lange es noch nicht in die Tat umgesetzt worden ist.

Ich will hier gar nicht weiter rumheulen. Aber ich muss noch etwas feststellen: Immer mehr wird in Abstimmungen mit etwas argumentiert, das gar nicht zur Debatte steht.

„Nein, wir wollen kein Multiplexkino bei der Heuwaage“, sagten die Gegner, als es um den Bau von Herzog & de Meuron ging. „Da könnte man doch eine tolle Grünfläche hinpflanzen.“ Ja, schon. Aber wurde damals darüber abgestimmt, ob es zu einem Multiplexkino oder zu einer schönen Wiese kommt? Nein. Und wie sieht der Unplatz hinter dem Viadukt heute aus? Er ist genau derselbe Asphaltfleck wie zuvor – ohne jegliche Form, ohne jegliche Nutzungsmöglichkeit.

Und heute? Da freuen sich die Gegner des Casino-Neubaus, dass nun der Weg frei sei, „für eine bessere Lösung“ (Dieter Stumpf). Ja, schon. Aber wer, wie, wieso – und mit welchem Geld? Das war keine Astimmung mit der Frage: Wollen Sie ein grosses neues Casino? Oder hätten Sie lieber ein kleines neues Casino? Es ging nur darum, ob ein neues Casion gebaut wird oder nicht.

Es wird nicht.

Und wenn doch, freuen wir uns auf einen kleinen, bescheidenen, unspektakulären, langweiligen, funktionellen, füdlibürgerlichen. So wie die tolle Wettsteinbrücke. Dort sollte übrigens mal ein Bau von Santiago Calatrava hin…

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