Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch

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A propos Basel:

Häufig werde ich von neu aus unserem nördlichen Nachbarland hinzugezogenen Erwachsenen gefragt, ob sie hier denn besser Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch reden sollen. Sie würden sich gerne integrieren und so… Und ich gebe ihnen dann immer ganz dezidiert, immer die gleiche Antwort.

Allgemein war das Thema ‚Die Deutschen in der Schweiz‚ wohl das Hype-Thema dieses Spät-Winter / Frühlings. Der Hype war so gross, dass ein Blog davon ganz beachtlich profitiert hat. Der Blog-Master wurde in vielen Zeitungen zitiert, zu Talk-Shows eingeladen. Zig Sachen halt, die Razi und mir noch kurz bevor stehen… 😉 Jedenfalls habe ich die ersten Beiträge zu diesem Thema als direkt Betroffener, der beide Seiten kennt, mit Vergnügen gelesen. Mit der Zeit aber. Naja, es war halt wie mit jedem Hype. Bis es der letzte Medienmensch gemerkt hat, das ging halt eine Weile… Aber das nur nebenbei.

Was ich eigentlich beschreiben wollte, spielte sich letzten Montag ab. Kennen Sie Anne-Sophie Mutter? Sie ist – eine Geigengöttin, ein Klassik-Superstar, eine Legende und auch noch ziemlich gutaussehend.
Kurz: Ich hatte bis dahin immer einen sehr guten Eindruck von ihr.

Nämliche Anne-Sophie Mutter nun war als Studiogast zu DRS3 ins Fokus geladen. Und sie entschied sich im Interview für – Schweizerdeutsch. Halt! Eben nicht – es war kein Schweizerdeutsch. Sie sprach einen gnadenlosen, hammerharten badischen Dialekt, als ob es Schweizerdeutsch wäre, bis es mir die Zehennägel aufgedreht hat. Und ich wusste, ich werde wie bis anhin allen Deutschen über 20, die in die Schweiz ziehen, empfehlen:

Sprecht Hochdeutsch!!! Bitte!!! Das bring Eurer Integration sonst gar nichts!

Aber hören Sie selbst: Hammer!

Anne-Sophie, Du hast Deinen Mythos zertrümmert…

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13 Antworten to “Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch”

  1. Razinger Says:

    Ja, aber wenn sie doch aus dem „Baaadische“ kommt, wieso soll sie nicht ihren Dialekt sprechen? Der Ottmar Hitzfeld macht das doch auch immer, wenn er mit Schweizer Medien spricht. Schlimm ist doch eigentlich nur, wenn ein Hannoveraner glaubt, er könne mit einem astreinen „Grützi“ punkten – denn das rollt einem wirklich die Zehennägel hoch.

  2. Luxinger Says:

    Lieber Razinger!

    Ich muss Dir wie immer zustimmen. Grundsätzlich. Und ich frage mich, ob es auch rationale Gründe gibt, warum ich trotzdem kolossal widersprechen muss. Auf die emotionalen Gegenargumente kommt meiner Meinung nach unschwer, wer Hitzfeld und Mutter live gehört hat. Aaaaaaah… Jetzt aber Argumente:

    Dialekt hat in der Schweiz und in Deutschland einen anderen Stellenwert. Damit meine ich, dass Dialekt in Deutschland im Gegensatz zur Schweiz nicht in jeder Situation adäquat ist. Jeder Fussballer versucht in Deutschland im Fernsehen seinen Dialekt soweit abzulegen, dass er für alle verständlich wird. Nicht die Färbung. Die kann bleiben. Aber breitester Dialekt im Rundfunk wirkt in Deutschland deplaziert, dem Rahmen nicht angebracht, ungebildet, etc. .

    Deshalb wirkte auch Anne-Sophie Mutter und ihr hammer-breiter baaadische Dialekt im Schweizer Rundfunk auf mich deplaziert, quer, störend und einfach nicht situationsgerecht. Zumal es im Interview nicht um das Brauchtum im Schwarzwald, sondern um die Welt der Weltklasse-Orchester und Violinisten/innen und um Kunst ging… Dialekt geht hier für eine Deutsche nicht…

  3. patrick Says:

    gehts eigentlich noch? will ja keine polemik machen, aber für mich als berner ist der basler dialekt auch nicht gerade wohlklingend! lasst die arme frau mutter doch sprechen wie ihr der schnabel gewachsen ist…

  4. rel Says:

    Auch wenn ich schon vor etlichen Jahre aus dem Norden in die Schweiz gezogen bin und mich für integriert halte, würde es mir nicht in den Sinn kommen, schweizer Mundart zu sprechen, weil es selbst für meine Ohren schlimm klingt, wenn Deutsche sich darum bemühen. Mundart ist etwas, was man in der Kindheit aufsaugen muss, sonst ist es nur eine Imitation. Bis dahin gebe ich dem Autor recht.
    Jemandem aber seine eigene Mundart zu verbieten und als „gnadenlos“ und „hammerhart“ zu diffamieren geht dann jedoch ein wenig zu weit, zumal sich ja die verschiedenen schweizer Dialekte auch nicht gerade durch Zartheit und Sprachmelodie hervortun.
    Sich bis zur „Zertrümmerung des eigenen Mythos“ in Rage zu schreiben, disqualifiziert den Schreiber dann aber doch ziemlich. Schade, den kann man nicht mehr ernst nehmen.

  5. Luxinger Says:

    WICHTIGE ERGÄNZUNG – Nur damit hier keine neuen Missverständnisse und Gräben entstehen:
    Der Autor des kritisierten Beitrags – also meine Wenigkeit – ist selbst Deutscher und KEIN Schweizer!!! Ich habe also meinen ganz persönlichen Eindruck als seit 20 Jahren in der Schweiz lebender deutscher Staatsbürger wiedergegeben.
    Meine persönliche Erfahrung ist, dass man in der Schweiz besser fährt, wenn man als Deutsche/r ein natürliches Hochdeutsch spricht – ausser man hat Schweizerdeutsch bis ins Teenager-Alter gelernt. Ausnahmen, die als Erwachsene noch richtig Schweizerdeutsch lernen können bestätigen die… usw.
    Ich denke, man tut sich echt keinen gefallen. Und das ist in Bayern z. B. ganz genau so. Do woass I, vo wos I red: Wenn ein frisch zugezogener Hannoveraner meint, er könne einen Bayern mit ‘Dialekt’ beglücken, klappt das auch nur bedingt…
    Warum ich den konsequent durchgezogenen Dialekt von Frau Mutter am Radio deplaziert fand? Das ist womöglich gerade darauf zurückzuführen, dass es für eine/n Deutsche/n ungewohnt und meiner Meinung nach auch der Situation nicht angepasst ist, am Rundfunk gnadenlos seinen Dialekt durchzuziehen. Das macht in Deutschland niemand. Jede/r versucht seinen Dialekt so abzuschwächen, dass er von allen verstanden wird.
    Dass mir Frau Mutters Baaadisch also deplaziert vorkam, hängt stark mit meinen Wurzeln zusammen.
    Allen, die ich mit meinen – zugegeben überspitzten Formulierungen – beleidigt haben sollte: Meine Nägel hab ich selbst wieder runter gedreht…

  6. Luxinger Says:

    Als weitere Ergänzung zur Völkerverständigung:

    Mein Blog-Partner ‘Razinger’ hat mich als SCHWEIZER auf mein – ok, ich gebe es jetzt noch mal zu und werfe kräftig Asche auf mein Haupt – übertriebenes Badisch-am-Radio-Bashing hingewiesen und sofort entschieden widersprochen. So war das… (siehe oben)

  7. Luxinger Says:

    @ rel

    Lieber Rel

    Wer sagt denn, dass Du mich so ernst nehmen sollst… 😉

    Jetzt aber mal im Ernst: Um was es mir bei Anne-Sophie Mutters Mythos ging und ich weiss nicht, ob Du das kennst:

    Du ‚kennst‘ eine Persönlichkeit, wenigstens optisch, von der Vita und der Musik her, etc. . Jedenfalls meinst Du das. Und dann fängt diese Person zu sprechen an und – das Gehörte passt so gar nicht zu Deiner Erwartung. Du denkst nur: ‚Die Frau redet ja im Interview wie der Platzwart vom FC Rheinfelden‘ – und bevor ein Sturm der Entrüstung losbricht: Ich schätze diesen Mann, der macht sicher einen super Job. Ich habe schon dort gespielt. Der ist super nett und alles, echt. Aber trotzdem habe ich nicht erwartet, dass Anne-Sophie Mutter im Interview die gleiche Sprache spricht… Wie gesagt, dass ist mein Problem. Andere haben das super adäquat gefunden. Ich war – überrascht…

  8. Martin Says:

    Dass es sich bei dem im Interview gesprochenen Diealekt von Fr. Mutter um ihren ureigenen Dialekt handelt, den man auf der nördlichen Seite des Rheins spricht, ist aber klar, oder?

    Zugegeben, es klingt wie ein schlecht nachgeäfftes Schweizerdeutsch. Ist es aber nicht.

    Wenn wir jetzt danach gehen, darf über 90% der Schweizer Bevölkerung kein Hochdeutsch mehr reden. Sachsen dürften auch nie wieder im Fernsehen auftreten.

    Gute Nacht!

  9. Razinger Says:

    Ich möchte dem Herrn Luxinger noch schnell gratulieren. Wir haben es nun mit Gotteslästerung, Drogen und Pornografie versucht. Aber durchschlagenden Erfolg hat diesem Blog erst das Deutschen-Bashing durch einen Deutschen gebracht – Respekt!!

    Platz 18 der am schnellsten wachsenden Blogs am 2. Juni!

    Vielleicht sollten wir noch einen Elsässer einladen, der über Franzosen lästert, einen Türken, einen Chilenen…

  10. Gerhard Says:

    Der Moderator spricht konsequent in einem für Nichtschweizer kaum verständlichen Dialekt. Ein Gespräch kommt nur zu stande weil Anne-Sophie Mutter offensichtlich einen ähnlichen Dialekt spricht. Warum sollte sie also unpassenderweise in Hochdeutsch antworten?

  11. horch Says:

    Habt ihr das Alemannische gepachtet (Es wird in 5 Ländern gesprochen)? Ich schwätz Dialekt, egal ob dies in Berlin, Köln oder Basel ist und dass lass ich mir auch nicht verbieten. Als Basler kommt ja auch öfter nach Deutschland, wird Euch dort euer Dialekt auch verboten?

  12. Andrey Says:

    Schweizerdeutsch ist lange. wie suomi (Finisch) zb. aachräiä-anschreien

  13. pit Says:

    lasst frau mutter doch dialekt reden. seien wir froh, dass das markgräflerdeutsch noch nicht ausgestorben ist. den artikel und vor allem die adjektive „gnadenlos“ und „hammerhaft“ finde ich dumm und beleidigend. ich lasse mir auch nicht vorschreiben, wie ich zu reden habe – das wäre noch schöner.

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